Maßnahmen und Modelle
Der Kooperationspartner IPS präsentiert innerhalb seiner Internetseiten einen Katalog von Maßnahmen der Wasserbewirtschaftung.
Zielvariablen und Bewertung
Das Teilprojekt wurde
bearbeitet von der TU-Berlin,
Fachgebiet Wasserreinhaltung
In der heutigen Planungspraxis werden allzu oft Detaillösungen
entwickelt, die nur im Hinblick auf ein oder wenige Ziele (z.B.
CSB-Entlastungsfracht) optimiert sind. Diese Lösungen können
schlimmstenfalls bezüglich anderer Ziele kontraproduktiv sein,
zumindest jedoch vergibt man sich die Chance Synergien bei der Lösung
verschiedener Probleme zu nutzen.
Daher ist es wichtig, zu Beginn des Planungsprozesses die im
Einzugsgebiet vertretenen Interessengruppen einzubeziehen und
festzustellen, welche Ziele im Einzugsgebiet bestehen. Dabei kommt es
zunächst nur darauf an festzulegen, welche Ziele überhaupt
berücksichtigt werden, noch nicht, wie die Ziele gegeneinander zu
gewichten sind.
Eine Beteiligung der verschiedenen Interessengruppen bereits in diesem
frühen Stadium der Planung hat einen weiteren Vorteil: Wer von Anfang
an am Planungsprozess beteiligt ist und seine Ziele berücksichtigt
sieht, wird am Ende viel eher bereit sein (evtl. unbequeme) Kompromisse
einzugehen und sich konstruktiv an der Konsensfindung zu
beteiligen.Ziele konkretisieren und den Erfolg von Maßnahmen messbar
machen – die Zielvariablen.
Die Diskussion im Einzugsgebiet wird eine Fülle von Zielen
hervorbringen, die sehr wahrscheinlich zunächst eher unpräzise
beschrieben sind, wie z.B. „Gewässerschutz“, „Hochwasserschutz“,
„Trinkwassergewinnung“.
Um später verschiedene Maßnahmen bezüglich der Ziele vergleichen zu
können muss der Erfolg der Maßnahmen messbar gemacht werden. Dazu
werden die übergeordneten, unpräzise formulierten Ziele auf konkrete
Zielvariablen heruntergebrochen.
Definition: Eine Zielvariable ist
eine Variable, deren Wert die Auswirkungen wasserwirtschaftlicher Szenarien
quantifiziert.
So kann z.B. das Ziel Hochwasserschutz durch die Zielvariable „HQ50“
repräsentiert werden. Das Ziel „Vermeidung von Eutrophierung“ kann
durch die Zielvariable „Jährliche P-Fracht“ beschrieben werden. Die
Wert des HQ50 und der Jährlichen P-Fracht können für jedes
Maßnahmenszenario berechnet werden und erlauben so den Vergleich der
Szenarien bezüglich der genannten Ziele.
Der Zielvariablenkatalog
Um die Diskussion der Ziele und die Definition der Zielvariablen zu
unterstützen wurde im Rahmen des Projektes ein Zielvariablenkatalog
(Bild oben) entwickelt. Dies wird im folgenden am Beispiel des Ziels
„Gewässerschutz“ erläutert (Bild unten):
Von rechtlicher Bedeutung für den Gewässerschutz ist insbesondere die
EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Die Bewertung des ökologischen
Zustandes der Gewässer erfolgt in der WRRL vor allem durch biologische
Parameter (Zusammensetzung und Abundanz der Gewässerflora, der
benthischen wirbellosen Fauna und der Fischfauna). Diese lassen sich
jedoch nur sehr schlecht prognostizieren (modellieren), was sie für den
Einsatz in der Planung eher ungeeignet macht. Daher wurden
stellvertretend hydraulische, physikalisch-chemische und morphologische
Zielvariablen entwickelt. Wenn diese Zielvariablen gute Werte aufweisen
ist das Erreichen des guten ökologischen Zustandes sehr wahrscheinlich.
Der Zielvariablenkatalog wurde zunächst ausgehend von der Fallstudie
Panke entwickelt, dann in den Fallstudien Saidenbach und Modau
diskutiert und ergänzt. Bei der Entwicklung ging es darum, eine
möglichst kompakte Auswahl aus der Vielzahl möglicher Zielvariablen zu
treffen, ohne dabei wichtige Ziele zu vernachlässigen. Nicht alle
enthaltenen Zielvariablen finden im Projekt Anwendung (wie z.B. 1.2.9.
Mikrobiologische Parameter), da eine Bestimmung der Werte im Rahmen des
Projektes zu aufwändig gewesen wäre. Dennoch wurden sie in den Katalog
aufgenommen, da sie prinzipiell wichtige Ziele repräsentieren.
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Zielvariablenkatalog mit Kurzbeschreibung
Bewertung
Nachdem verschiedene Maßnahmenszenarien modelliert und
somit die Auswirkungen quantifiziert sind, liegt nun eine ausgefüllte
Matrix mit Szenarien, Zielvariablen und Werten für die Zielvariablen
vor (Bild).
Ziele hinter den Zielvariablen:
1. (HQ25) Hochwasserschutz; 2. (HQ1) Vermeidung von hydraulischem
Stress für die Biozönose; 3. (PHF) Vermeidung von Eutrophierung in
Seen; 4. (NF)
Vermeidung von Eutrophierung des Meeres; 5. (PKB) Möglichst geringe
Kosten |
Diese liefert bereits eine gute Grundlage für eine Entscheidung.
Anstelle Maßahmen aus dem Bauch heraus beurteilen zu müssen, da über
deren Wirkung nur Vermutungen vorliegen, kann jetzt über Fakten
diskutiert werden. Dennoch wird es oft schwierig sein, die optimale
Lösung auszuwählen, da in der Regel keine Lösung bezüglich aller Ziele
überlegen ist. Dies wird in folgendem Beispiel verdeutlicht: Es werden
4 Szenarien der Regen- / Mischwasserbewirtschaftung mit Auswirkungen
auf das hydraulische Regime und die stoffliche Belastung des Gewässers
exemplarisch an Hand von 5 Zielvariablen verglichen. Szenario 1
(Ist–Zustand) ist nur zum Vergleich dargestellt. Szenario 4
(Kombiniertes Szenario) ist bezüglich aller Zielvariablen, mit Ausnahme
der Kosten das Beste. Szenario 2 (Bodenfilter) ist 3 Mio € günstiger
und bezüglich der Nährstofffrachten (PHF, NF) nur geringfügig
schlechter. Das billigste Szenario (Abkopplung) ist immerhin bezüglich
des Hochwasserschutzes (HQ25) das Zweitbeste.
Es ist offensichtlich nicht einfach, das beste Szenario zu ermitteln.
Hier können multikriterielle Bewertungsverfahren durch eine
Formalisierung des Entscheidungsprozesses weiterhelfen.
Multikriterielle
Bewertungsverfahren
- unterstützen bei der Auswahl des besten Szenarios nach den
Präferenzen der Entscheidungsträger.
- stellen den Weg der Entscheidungsfindung transparent dar. Dies
erleichtert die Diskussion der Ergebnisse mit verschiedenen
Interessengruppen.
- ermöglichen Sensitivitätsanalysen (z.B. für die Gewichtung der
Zielvariablen), die die Diskussion zusätzlich unterstützen.
Im Rahmen des Projektes wurden die zwei Verfahren PROMETHEE und
Nutzwertanalyse als EXCEL-Applikationen umgesetzt und erprobt. Im
folgenden wird die Nutzwertanalyse vorgestellt, die den bedeutenden
Vorteil hat, dass das Verfahren leicht verstanden werden kann (Prinzip:
Stiftung Warentest). Bei der Nutzwertanalyse wird mit Hilfe von
Nutzenfunktionen jedem Wert einer Zielvariable ein Teilnutzwert
zwischen 0 (sehr schlecht) und 1 (sehr gut) zugewiesen.
Dann sind unter Berücksichtigung der gewählten Nutzenfunktionen
Gewichte für die Zielvariablen zu vergeben und im Gewässerbeirat zu
diskutieren. Es ist möglich, verschiedene Sätze von Gewichten
auszuprobieren, um so die Diskussion zu unterstützen. Schließlich
werden die Teilnutzwerte eines jeden Szenarios mit dem Gewicht
multipliziert und aufaddiert. Das Ergebnis ist in der folgenden
Abbildung links redargestellt.
Die Balken stellen jeweils ein Szenario dar. Die einzelnen Sektoren
eines Balkens sind die gewichteten Nutzwerte bezüglich der
Zielvariablen. In diesem Beispiel schneidet das Abkopplungsszenario am
besten ab, insbesondere durch die geringen Kosten und den passablen
Hochwasserschutz.
Die in der Abbildung rechts dargestellte Sensitivitätsanalyse ergibt,
dass das Gewicht der Zielvariable „Projektkostenbarwert“ zwischen etwa
20% und 40% variiert werden kann, ohne dass sich das
bevorzugte Szenario ändert. Werden die Kosten mit mehr als 40%
gewichtet, kommt man zum Ergebnis besser gar nichts zu tun (Ist –
Zustand wird zum bevorzugten Szenario), bei einem Gewicht von unter 20%
wird das kombinierte Szenario bevorzugt.